So geht also ein weiterer Abschnitt meines Lebens zu Ende. Am letzten Montag haben Claudia und ich uns getrennt. Die Gründe waren vielerlei und sicherlich auf beiden Seiten zu suchen. Es war vorhersehbar, dass dieser Moment eines Tages kommen würde und keiner von uns beiden war tatsächlich überrascht darüber.
So beschlossen wir uns in allem Frieden, ohne Rosenkrieg, zu trennen. Den Hausstand vernünftig und in aller Ruhe aufzulösen und fortan getrennte Wege zu gehen. Zumindest im Sinne einer Beziehung - eine Freundschaft wollten und werden wir auf jeden Fall aufrecht erhalten. Ja, es hätte so einfach sein können.
Leider lag es zeitlich so ungünstig, dass Claudia
H. kennen lernte. Hätten wir uns vor zwei Wochen schon getrennt, so hätte es für Claudia und mich auch keinen Unterschied gemacht - so jedoch, zu diesem Zeitpunkt, bleibt leider der fahle Beigeschmack der Untreue. Nun, auch mit dieser Situation konnten wir erstaunlich sensibel und vernünftig umgehen. Als Claudia mich am Dienstag Abend fragte, ob ich denn etwas dagegen hätte, ob sie sich noch mit
H. trifft, da verneinte ich und lies sie gehen. Denn was soll ich sie denn jetzt noch krampfhaft halten und klammern, wenn ich sie doch auch vor zwei Wochen schon hätte gehen lassen. Wie gesagt -
H. kam einfach zeitlich ungünstig. Vielleicht trifft also Abschnitt oder Lebensabschnitt die letzten Jahre ganz gut, denn trotz aller Bemühungen wurde unsere gemeinsame Zeit am Ende doch noch abgeschnitten.
Fast als eigenständiges Kapitel einer Kurzgeschichte könnte man nun wieder die folgenden Tage bezeichnen.
So traf Claudia sich nun
fast jeden Abend mit
H., um dann zurück in die gemeinsame Wohnung und ins gemeinsame Bett zu kommen. Ins Gästezimmer zu ziehen hatte ich keine Lust und seit unserer offiziellen Trennung verstanden wir uns ja auch wieder ausgezeichnet. Fast schon wie
anfänglich vertraut konnten wir wieder offen miteinander umgehen, uns wieder sanft in den Arm nehmen und einander zuhören. Wirklich erstaunlich.
Fast hätte man meinen können, nun müssten wir uns ja gar nicht mehr trennen... aber wir sind beide intelligent genug um zu wissen, dass dieser Zustand der Harmonie nicht ewig angehalten hätte und (warum auch immer) zwischen uns nur als Freunden funktioniert.
Außerdem ist da ja noch
H., bei wem Claudia nun ihre Schmetterlinge im Bauch wiedergefunden hat
te.
Und hier kommen wir in den Bereich der Erfahrungen... Ursprünglich hieß dieser Beitrag nämlich:
10 Dinge die ich an dir hasse! Denn glaubt nicht, dass es tatsächlich alles soooooo spurlos an mir (und Claudia auch nicht) vorbeigegangen ist. Dafür war unsere Zeit zu lang und zu intensiv geprägt von Gemeinsamkeiten und Erlebnissen. All dies sind Erfahrungen, die es tatsächlich wert waren gemacht zu werden. Das Gefühl in der gemeinsamen Wohnung zu sitzen, während sie bei
ihm ist. Dann wieder das Gefühl, wenn sie nach Hause kommt und wir uns klasse unterhalten und sanft einschlafen können. Erfahrungen aus den letzten Jahren - unserem gemeinsamen Leben gibt es ebenfalls eine Menge - so unübersichtlich in Anzahl und Ausprägung, dass ich hier auch nicht einige davon nennen könnte, ohne zu einer ungerechten Wertung zu gelangen. Glück und Freude,
Wut und Angst - all das und weiteres hat uns geprägt auf unserem gemeinsamen Lebensweg. Deutlich wurde jedenfalls auch, dass ich keine 10 Dinge an Claudia wirklich hasse... Denn bei all unseren Problemen, hat der Hass nie eine Rolle gespielt. Selbst in den letzten Tagen war es uns möglich vernünftig miteinander umzugehen. Es sind also nun nicht nur Erfahrungen, die ich aus dieser Situation ziehen konnte und kann, es sind auch viele viele Erfahrungen der letzten Jahre, die dazu beitrugen, dass wir so vernünftig miteinander umgehen konnten und können. Das blinde Verständnis und die Vertrautheit der letzten Jahre hat uns nicht verlassen und konnte uns auch durch die Trennung hindurch sicher den Weg geleiten.